Monat: Juni 2015

Rückblick im Frühsommer

Die Distanzsaison geht in Berlin-Brandenburg mit Riesenschritten voran. Während sich der Spitzensport einige Kritik gefallen lassen muss und auf der internationalen Bühne ein Umdenkprozess, was den Umgang mit der Kreatur und das Verständnis „sauberen Sports“ angeht, bei einigen Nationen erst allmählich ins Rollen kommt, ist unter den „Wald- und Wiesenreitern“ – auch jenen mit höheren Ambitionen – der Spaß am Langstreckenreiten ungetrübt. Der deutsche Distanzsport wird national nach einem der strengsten Reglements weltweit ausgetragen, Tierärzte werden qualifiziert und geschult, und die Diskussionen, die derzeit die globale Endurance-Gemeinde geführt werden, trägt ein diskutierfreudiges Online-Forum selbst bis in den letzten Weideunterstand, sodass ein Bewusstsein für Tierschutz und Fairness einfach Selbstverständlichkeit sein sollte und beinahe ausnahmslos auch ist.

Ein reichhaltiges Veranstaltungsangebot wie auch in dieser Saison in Brandenburg bringt neben den Vorzügen der großen Auswahl und Variabilität leider auch immer den Nachteil kleiner Starterfelder in den langen Prüfungen mit sich. Zwar leidet unter der geringen Quantität nicht zwangsläufig die Qualität der LDRs, aber etwas mehr Konkurrenz würden die Reiter selbst sicher auch freuen. Wie dem auch sei, das Problem ist selbst gemacht. Vielleicht würde es lohnen, ein Gespräch darüber anzuregen, zwar nicht die Anzahl der Veranstaltungen zu minimieren – denn ER, KDR und zumeist auch MDR werden reißend angenommen – jedoch nicht unbedingt im 2-3- oder 4-Wochen-Rhythmus einen Langstreckenritt anzubieten.

Vier Starterinnen sah man auf den 90 km in Rüdnitz. Es siegte eine Troika in 06:23:00 h (13 km/h). Mit von der Partie waren – seit langem einmal wieder – die erfahrene Anne-Kathrin Mellies mit der VA-Stute Al Askasha aus dem Stall der Familie Borowicz, Rilana Sansour bei ihrem ersten LDR-Start mit ihrer Traberstute Gretna Green und Josefin Schuster mit der Warmblutstute Fatima. Den MDR konnte Uwe Schiller mit Kazaam in 03:53:00 h (14,2 km/h) vor den beiden zweitplatzierten Katrin Michaelis mit Sando und Judith Schulz mit Hamasa Mamdooh für sich verbuchen. 18 Starter sorgen beim Einführungsritt für Full House.

Mit nur 12 Startern beim ER in Zernikow zwei Wochen später zeigte sich selbst über 26 km die Starterproblematik. Auf allen Streckenlängen blieben die Starterfelder recht überschaubar. Den KDR gewann Hans-Joachim Rühlemann mit Corista. Auf Platz zwei ritten Maria Liegner mit Gaja und Nicole Valentin mit Caprice. Vier Starter bestritten den MDR. Am Ende hatten Katrin Michaelis und Sando in 04:28:02 h (4,2 km/h) die Nase vorn. Anna Knierim mit Jilfan Assalaam und Nicole Gust mit Honesty Diamant kamen erst knapp eine Stunde später ins Ziel. Den LDR über 90 km entschied wieder ein Trio für sich. Diesmal waren es Stella Naumann mit Asdiqua bint el Asaran, Andrea Herlt mit CD Zenith und Alexandra Hanssen mit Haara. Mit 15,3 km/h hatten die Reiterinnen 05:53:00 h für die Strecke benötigt.

Klein und entspannt gab sich auch die Elch-Distanz in Ützdorf. Als einzige Starterin in der Wertung beendete Meike Heisig mit Seven Seas of Love den ursprünglich über 120 km ausgeschriebenen LDR bei 110 km in der Wertung. Gleich vier Reiterinnen kamen im LDR über 81 km auf Platz eins, darunter die beiden Juniorinnen Antonia Fahlbusch mit Penny und Maria Lippert mit Al Mashhar Al Azim sowie Jennifer Freimuth mit EH Poznaja und Johanna Goncz mit Feldmarke. Im MDR blieben drei von fünf Startern in der Wertung. Sven Lüdeke entschied hier mit dem Anglo-Araber Eros die Prüfung vor Christina Wendt mit Nani und Antonia Nill mit Fee für sich. Den KDR über 55 km absolvierten alle vier Starterinnen gemeinsam und kamen auch gemeinsam ins Ziel: Maria Liegner mit Gaja, Doreen Oettel mit Ostwind, Nicoel Valentin mit Caprice und Aileen Hoffmann mit Docs Little King. Die 55-km-Fahrt bestritt Susanne Wendt mit Achat erfolgreich. Im KDR über 42 km ritt Mara Shima mit dem Vollblutaraber Shattal auf Platz eins. Das Mammut-Pensum an diesem Wochenende bestritt der einzige erfolgreiche MTR-Starter Rico Müller, der mit seinem Welsh-Arabo-Partbred Mr Seven an zwei Ritttagen in einer reinen Reitzeit von 00:11:02 h die Strecke von 124 km zurücklegte.

Nunmehr nähern wir uns mit Riesenschritten den beiden Hauptereignissen der Saison: der Landesmeisterschaft am 4. Juli in Kreuzbruch und dem CEI1* am 1. August in Neustadt (Dosse).

Miriam Lewin