Landesmeisterschaft im Distanzreiten im oberhavelländischen Kreuzbruch

Hitzeschlacht im Märkischen sand

Bei dieser Landesmeisterschaft im Distanzreiten im Oberhavelländischen Kreuzbruch sollten die Karten neu gemischt werden, und jeder, der den Wetterbericht gehört hatte, konnte das voraussagen. Nicht der märkische Sand machte den Favoriten diesmal einen Strich durch die Rechnung – denn mit dem hatten sie ja gerechnet– sondern der echte, der aus der Sahara, der mit dem Scirocco über die Alpen kam, zusammen mit einer Hitzewelle nie dagewesener Art! Bis zu 43°C kletterte das Thermometer im Schatten unter dem Dach des Tierarztzeltes. – Wer da morgens – noch ungeachtet der Kenntnis des wahren Ausmaßes der Hitzewelle – vorausgesagt hatte, dass heute die Schnellreiter in Massen ausfallen und nur die bedachtsamen Reiter gewinnen würden, musste kein Wahrsager sein. Schon im Vorfeld manifestierte sich das mit einer nicht unerheblichen Menge von Absagen, vor allem auf den kürzeren Strecken. Aber auch eine Nennung der Landesmeisterschaft wurde quittiert, und vier Starterinnen zogen ihre Pferde im Laufe des Wettkampfes aufgrund der wahrhaft höllischen Temperaturen zurück, darunter auch die amtierende Doppel-Landesmeisterin Andrea Herlt. Von 12 Startern über 123 km blieben am Ende drei in der Wertung. Heike Peglow, die Zweitplatzierte in 13:25:00 h (9,2 km/h) mit Tiramisu, kam zudem aus dem niedersächsischen Ventschau und zählte somit nicht für die Wertung in der LM.

Wacker und beständig – wie üblich, möchte man sagen, und sonst oft erfolgreich, aber kaum einmal vorn mit dabei– zog Birgit Kurek mit ihrem 16jährigen Vollblutaraber-Wallach Hamdani Ashira ihre Runden und passierte – beinahe „unbeabsichtigt“, aber hoch verdient – nach 11:35::00 h reiner Reitzeit in 10,6 km/h um 19:15 Uhr als unangefochtene Landesmeisterin die Ziellinie.

Michaela Wilczek, die als Einzige Berlin-Brandenburgerin noch im Rennen geblieben war, nachdem die letzten beiden Konkurrentinnen Anne Kaeselitz mit der bis dahin noch prima aussehenden Abrexina wegen Lahmheit und Alexandra Hanssen mit der müde wirkenden Haara sich im letzten Gate nicht weiterqualifizieren konnten, hatte eine andere Taktik gewählt. Ihr 12jähriger Warmblüter C’est la Vie litt bereits unter Mittag im 2. Gate (nicht weniger als seine Reiterin) unter der Hitze so gewaltig, dass Michaela Wilczek erwog, den Wettkampf abzubrechen. Kurzerhand verlängerte sie die vorgeschriebene 40-Minuten-Pause auf fast zwei Stunden – was die vorgegebene Höchstzeit mühelos zuließ (die Debatte, wie sinnvoll dies im Rahmen einer Meisterschaft ist, sei hier beiseitegelassen). Jedenfalls war es ihrer klugen Entscheidung zu verdanken, dass „Willi“ die schlimmste Tagesglut im kühlen Stall verbrachte, und das Paar den Wettkampf erst am Abend fortsetzte, als das Thermometer immerhin „schon“ unter die 40°C gefallen war. Kluge Taktik und unerschütterliche Ruhe wurden kurz vor Mitternacht in 15:53:00 h Reitzeit (7,75 km/h), eine halbe Stunde vor Toresschluss, mit dem Vizemeistertitel belohnt.

Bei den Jugendlichen, die über 90 km angetreten waren, sah es lange gut aus für Kathrina Albrecht mit ihrer Bakkara Bint Kora. Doch leider erwischte auch sie es im letzten Gate, 12 km vorm Ziel, mit einer Lahmheit, sodass Maria Lippert und Antonia Fahlbusch aus der Jugendreiterschmiede von Adriana Schröder den Wettkampf unter sich austrugen. Sie waren gemeinsam gestartet, hatten den Ritt wie geplant zusammen absolviert und bogen nach 09:03:00 h (10 km/h) Kopf an Kopf in die Zielgerade ein. Beide Reiterinnen waren clever genug, in der Gluthitze kein langes Finish zu reiten und gaben ihren Pferden erst 100 m vorm Ziel die Köpfe frei. Da verstand dann Maria Lipperts 9jähriger Vollbluaraber Al Mashhar Al Azim den Vorteil seiner langen Beine gegenüber „Penny-Pony“ zu nutzen und verwies Antonia Fahlbuschs 138 cm kleine Lewitzer-Stute um Halslänge auf Platz zwei. Das bedeutete den Jugendmeister-Titel für Maria Lippert ganz knapp vor der ebenbürtigen Vizemeisterin Antonia Fahlbusch. Freudentränen flossen bei beiden, als die Tierärzte bei der Nachuntersuchung das „Daumen-Hoch“ gaben.

Auch für die Senioren war ein LDR über 90 km ausgeschrieben. Nachdem die Stute der vermeintlichen Siegerin Anne Assmacher bedauerlicherweise in der Nachuntersuchung nicht mehr taktrein lief, gingen Sieg und Platz an das Ehepaar Kunze, wobei Detlef Kunze mit der 10jährigen Trakehner Stute Stella seiner Frau Andrea auf Deutschen Sportpferd Quinie in 09:11.00 h (9,8 km/h) galanter Weise den Vortritt ließ.

Auf der mittleren Distanz über 63 km konnte sich Ewald Hurlemann aus Niedersachsen mit seinem Araber Figiel in 04:54:00 h (12,85 km/h) gegen die beiden Zweitplatzierten Axel Baldauf (Sachsen) mit Arabermix Shayan und Eva Renner (Niedersachsen) mit Friesenmix Triésta durchsetzen, wobei gerade dieser 7jährige Wallach bewies, dass auch ein schweres Kaliber sich den Wüsten-Temperaturen gewachsen zeigen konnte.

Recht ausgedünnt zeigte sich auch das Feld der Ankommer beim Einführungsritt, den Gerun Golde in 03:19:00 h (12 km/h) mit ihrer Englischen Vollblutstute Mandy gewann knapp gegen den 22jährigen Araber-Oldie Kiasso unter der jungen Sina Matzdorf gewann, gefolgt auf Platz drei von der ebenfalls mit 22jähren noch top fitten Warmblutstute Grisu unter Ingeborg Heil.

Auf den langen Strecken hatten die drei Siegerpferde jeweils auch in der Transportfreigabe von allen Teilnehmern die beste Figur gemacht und wurden daher als I-Tüpfelchen ebenfalls noch mit dem Konditionspreis geehrt, wobei die Tierarzt-Jury einräumte, dass ihr die Entscheidung zugunsten des einen oder des anderen Pferdes hier durchaus schwergefallen war.

Miriam Lewin