Landesmeisterschaft im Distanzreiten

Gut Zernikow als Gastgeber für 70 Pferde

Die diesjährigen Landesmeister im Distanzreiten stehen fest. Endlich gelang es Alexandra Hanssen (Berlin), die seit einigen Jahren hoch ambitioniert unterwegs ist, den Titel zu erreiten – und zwar mit ihrer 12jährigen Partbred-Araberstute Haara. Als einziges Paar aus Berlin-Brandenburg bewältigten die beiden bei schwüler Gewitterstimmung die Gesamtstrecke von 120 km in einer moderaten Durchschnittsgeschwindigkeit von 13 km/h. Bis ins Ziel wurden sie von Anne Kaeselitz aus dem sächsischen Großwoltersdorf begleitet, die mit Ihrer Reitponsstute Abrexa als einzige die Gesamtstrecke durchgehalten hatte. Nach einem gleichermaßen ambitionierten wie fröhlichen Finish, auf das sich beide Teilnehmerinnen kurz vor Schluss geeinigt hatten, trabte Abrexa in der Nachuntersuchung leider nicht mehr taktrein vor und wurde disqualifiziert, eine bittere, aber unanfechtbare Tierarztentscheidung. Dennoch hatten die Gäste aus Sachsen entscheidend mitgeholfen die Landesmeisterin auf den letzten Kilometern zu motivieren. Insgesamt acht Teilnehmer waren in dieser Prüfung an den Start gegangen, davon fünf aus Brandeburg.

Den Vizemeistertitel erritt Mara Schima (Schönwalde-Glien), die mit ihrem 16jährigen Vollblutaraber Aman bei 84 km in der Wertung beendete. Auf Platz drei der Gesamtwertung kam Friederike Schwarz aus dem sächsischen Borlas mit Mona Lisa vor der Titelverteidigerin Birgit Kurek (Berlin) mit Hamdani Ashira, die ebenfalls bei 84 km in der Wertung abschloss.

Den Jugendmeistertitel erritt in etwas flotteren 13,74 km/h Sina-Louise Matzdorf (Stahnsdorf) mit dem bereits 23jährigen Arabermix Kiasso. Vize-Jugendmeisterin wurde 14 min dahinter Nicole Gust (Teltow) mit ihrem 13jährigen Traber Honestly Diamant vor Lena Engel (Potsdam) mit Catalano ox. Die inzwischen dem Jugendlager entwachsene Alexandra Lege als Sachsen-Anhalt meisterte als einzige Seniorin mit ihrem Warmblüter Baldo den LDR über 93 km ebenfalls erfolgreich in der Wertung. Großes Pech hatte die Ex-Jugendmeisterin Maria Lippert (Wustermark), die sogar knapp vor der späteren Vizemeisterin Nicole Gust über die Ziellinie gekommen war. Doch auch für ihren Al Mashhar Azim gaben die Tierärzte in der Nachuntersuchung dann leider kein grünes Licht.

Erfolgreiche Mütter und starke Töchtern prägten auch diesmal den Charakter des Sports. Wir erinnern uns an Andrea Herlt und Stella Naumann (geborene Herlt), die 2013 und 2014 gemeinsam, mit- und gegeneinander bei zwei Landesmeisterschaften antraten (wobei jeweils Andrea Herlt die Nase vorn hatte und den Titel gewann). In diesem Jahr ritt Sina-Louise Matzdorf mit Kiasso – dessen kunterbuntes Pedigree von Araber über Warmblut bis Haflinger alles zu bieten hat – das Pferd, mit dem bereits ihre Mutter im Jahre 2006 Landesmeisterin und im Jahr darauf Vizemeisterin geworden war. Mit Haara, der selbst gezogenen Partbred-Araberstute der diesjährigen Landesmeisterin Alexandra Hanssen, hatte sich eigentlich auch Tochter Maria für die Landes-Jugendmeisterschaft qualifiziert. Ihre Teilnahme scheiterte jedoch am Mindestalter für die Startberechtigung. Da es hierfür keine Bestimmung im VDD-Reglement gibt, lag die Festlegung der Altersgrenze im Ermessen des Veranstalters. Sicherheitsbedenken sind natürlich immer nachvollziehbar. Aber sollte nicht dennoch im Sinne der Jugendförderung entschieden werden? Wie können Jugendliche im Alter von 14 Jahren „plötzlich“ auf internationalem Parkett bestehen und sich später gegen gleichaltrige Konkurrenz behaupten, wenn sie keine Chance erhalten, sich zuvor auf nationaler Ebene, bei regionalen Meisterschaften entsprechend auszuprobieren und sportliches Know-How zu erlernen?

Positiv zu vermerken war generell, dass der Wettbewerb in diesem Jahr regen Zuspruch bei den Jugendlichen gefunden hatte. Von neun genannten Pferden gingen acht Teilnehmer an den Start.

Gut ausgebuchte mittlere und kurze Wettbewerbe sowie ein Einführungsritt und Distanzfahrten komplettierten das Rahmenprogramm dieser Meisterschaften, die auf dem Gutshof Zernikow ein repräsentatives Ambiente gefunden hatten.

Miriam Lewin