CEI & DM Neustadt (Dosse) am 24. Juni 2017

Deutsche Meisterschaften im Distanzreiten

Am 24. Juni 2017 war Neustadt (Dosse) nach 1999 zum zweiten Mal in der Geschichte des Distanzsports Austragungsort der Deutschen Meisterschaft und Jugendmeisterschaft.

Anne Wegner aus Hannoversch Münden wurde neue Deutsche Meisterin. Mit ihrem achtjährigen Vollblutaraber-Wallach Salamah ibn bint Khazzan Adjawad aus eigener Zucht setzte sie sich in einem rasanten Finish gegen Bernhard Dornsiepen jun. mit Rio und Dunja Kolossa mit Bekele el Djem durch. Die 27jährige errang damit ihren ersten Senioren-Titel, nachdem sie 2016 bereits Bronze erritten hatte und in den Jahren 2008 und 2011 Jugendmeisterin geworden war. Ihre Reitzeit betrug 09:17:08 (17,45 km/h), von ihren Verfolgern nur durch Sekundenabstände getrennt. Bernhard Dornsiepen jun. (Balve), der „ewige Zweite“, war bereits bei den DM 1997, 2003, 2012 und 2016 auf den Rängen zwei oder drei platziert. Mehr als nur ein Trostpflaster war am Ende jedoch der Konditionspreis für seinen Reitpony-Wallach Rio. Für die ebenfalls aus Balve kommende Dunja Kolossa war es die erste DM-Medaille. Die drei Reiter entschieden damit auch den CEI3*-Ritt über 162 km für sich. Den nationalen LDR zur DM gewann Mayke Kalms (Essen) mit ihrem 10jährigen Arasier-Wallach Astrachan in 10:13:30 (15,85 km/h) und belegte damit Platz 4 der DM-Wertung. Auch an Astrachan wurde der Best Condition vergeben. Mit 24 Teilnehmern war das Starterfeld bei den Senioren außergewöhnlich gut besetzt.

Den Jugendmeister-Titel sicherte sich zum dritten Mal in Folge die Rotenburgerin Moira al Samarraie mit ihrer 15jährigen Shagya-Araberstute Zarah in 06:56:55 (17,42 km/h). Auch hier gab es einen packenden Endkampf, in dem Noira al Samarraie ihrer Schwester wie schon im Vorjahr nur knapp unterlag. Nachdem sie 2015 und 2016 mit Famosa auf die Medaillenränge geritten war, errang sie diesmal den Vizemeistertiel mit der 10jährigen Anglo-Araberstute Warsana. Beide Reiterinnen sicherten sich damit auch die ersten Ränge im CEIJYR2* über 121 km, Zarah erhielt zudem den Best Condition. Die national startende Verena Meyer aus der Trainingsgruppe von Lisa Falk erritt dem 8jährigen Vollblutaraber Elox Rang drei, den Sieg im Junioren-LDR sowie den Konditionspreis der nationalen Prüfung.

Sowohl Anne Wegner als auch die 18jährige Moira al Samarraie und ihre 16jährige Schwester Nayla gehören der neu geschaffenen Perspektivgruppe Distanzreiten beim DOKR an. „Die Perspektivgruppen-Mitglieder haben sich hier super präsentiert, für uns ist das eine Bestätigung, dass wir die richtigen Leute für dieses Förderprogramm identifiziert haben und lässt uns für die Zukunft hoffen“, so Disziplin-Koordinator Nico Hörmann (Berlin), der die Perspektivgruppe beim DOKR betreut.

Internationale und nationale Begleitritte rundeten die Veranstaltung ab. Den CEI2* 121 km gewann Sarah Hahn mit Insh Allah Nazar ox in 09:52:30 (12,25 km/h) vor der Dänin Elen Munksoe mit Wisdoms Al Fahl ox (12,01 km/h). Den ebenfalls stark umkämpften CEI1* über 81 km entschied in 05:12:22 (15,56 km/h) Heike Ganster mit dem Partbred-Araber Aurieres d’Aurieres hauchdünn für sich vor den beiden Niederländerinnen Carmen Römer mit Domino und Marikje Wisser mit L. I. Wallonia. Insh Allah Nazar und Aurieres d’Aurieres erhielten außerdem den Best Condition Award.

Ein starkes Feld aus Sachsen belegte beim LDR über 121 km die Ehrenränge hinter der tschechischen Siegerin Lucie Krejcová auf Lamia (07:42:29 in 15,70 km/h). Auf Platz 2 ritt Luisa Höer (Dresden) mit Le Pars (07:57:56 in 15,20 km/h), der auch den Konditionspreis bekam. 45 min später folgten in Sekundenabständen Anne Koch (Großröhrsdorf/Sachsen) mit Bonitah, Antje Weida (Niedersachsen) mit M. Ghayatan Laziz und Sven Lüdecke (Riesa/Sachsen) mit Eros. Friederike Schwarz (Dresden) konnte den LDR 162 mit ihrer Warmblutstute Mona Lisa vorzeitig bei 146 km in der Wertung beenden.

Den LDR über 86 km gewann Katharina Witt (Niederorla/Thüringen) mit ihrer Ponystute Coco Chanel in 05:37:05 (15,31 km/h) vor Doris Kraft (Duisburg) mit Ashanti und Rilana Sansour (Liebenwalde) mit ihrer Traberstute Gretna Green.

Die beiden MDR wurden von Tanja Elezovic mit Chatham Park Avalon knapp vor Hans-Joachim Rühlemann mit Corista und Daniela Kübbeler mit Padjera (80 km) sowie von Sarah Müller mit Navetta vor Tochter und Mutter Hanssen mit Habibti und Armangac (64 km) gewonnen.

Beim KDR hatte Daytona unter Karina Starost die Nase knapp vor Bo Kasheena unter Natascha Schlegel. Auf den nächsten beiden Plätzen folgten, ebenfalls im Sekundenabstand Ina Löckelt mit Blokpost und Erwin Müller mit Lahischa. Insgesamt hatten sich über 100 Teilnehmer auf den Weg nach Neustadt (Dosse) gemacht.

Die Veranstaltung war am Donnerstagabend mit einer begeistert aufgenommenen Gestüts-Show eröffnet worden. Ein schweres Unwetter hatte am selben Tag für einige Verwüstungen durch umgestürzte Bäume auf der Strecke gesorgt, aber auch für elastisches Geläuf und ideales Reitwetter bei Temperaturen um 20°C. Dass vor allem einige von weiter her angereiste Starter die flachen, naturbelassenen brandenburgischen Strecken unterschätzt hatten, zeigte eine Qualifier-Quote von 53,6 % bei den CEI-Ritten, was jedoch im internationalen Maßstab ein vollkommen üblicher Schnitt ist. Bei den nationalen Ritten gab es eine erfolgreiche Ankommer-Quote von 66,2 %, und rechnet man die ambitionierten Meisterschafts-Ritte heraus, konnten sich am Ende sogar 73,7 % in der Wertung qualifizieren.

Einen besseren Gastgeber und Austragungsort als die Neustädter Gestüte hätten die Distanzreiter sich nicht wünschen können. Es war nicht allein die großartige Kulisse und das Gefühl, als Distanzsportler nicht nur geduldet, sondern herzlich willkommen zu sein, sondern die tatkräftige Unterstützung der Gestütsmitarbeiter, die den reibungslosen Ablauf des Wettkampfes ermöglicht und den Distanzreitern ein unwiederbringliches Erlebnis beschert haben.

Überschattet wurde die Veranstaltung durch den Tod des Pferdes Amira der DM-Teilnehmerin Ursula Klingbeil. Kurz vor Erreichen des 4. Vet-Gates erlitt die Stute, die zu diesem Zeitpunkt ruhig getrabt wurde, eine plötzliche Muskelverletzung und wurde sofort durchpariert. „Die Verletzung zwar sehr schwer, aber nicht tödlich“, äußerte sich die Reiterin später auf Facebook. „Wir haben entschieden, dass sie ein Weiterleben mit Leiden nicht verdient hat. Als Tierarzt und Pferdemensch geht mir das Wohl der mir anvertrauten Tiere über alles. Daher hat unsere Familie sich so entschieden. Eine solche Entscheidung ist sehr, sehr schwer und ist nicht leichtfertig getroffen worden.”

Miriam Lewin