Ützdorf am 21. Juli 2018

Landesmeisterschaft im Distanzreiten

Maria Lippert, die Jugendmeisterin aus 2015, ist Landesmeisterin Distanzreiten Berlin-Brandenburg 2018. Birgit Kurek, die 2015 den Titel bei den Senioren errungen hatte, wurde Vizemeisterin. Beide haben seitdem nicht umgesattelt: Maria Lippert ritt ihren nun 11jährigen Vollblutaraber Al Maschhar Al Azim, Birgit Kurek den mittlerweile 19jährigen Vollblutaraber Hamdani Ashhira. Mit einer reinen Reitzeit von 09:55:00 (12,1 km/h) lag die Siegerin vier Minuten vor der Zweitplatzierten. Platz drei belegte weitere zehn Minuten später Franziska Finkel mit der erst 8jährigen VA-Stute Zhaji al Aziz, die sich am Tag nach der Prüfung am fittesten präsentiere und dafür mit dem Konditionspreis ausgezeichnet wurde. Dies waren auch die einzigen drei Teilnehmerinnen, welche die Prüfung über 120 km in voller Länge absolvierten und damit in der Landesmeisterschaft gewertet wurden. Titelverteidigerin Rilana Sansour und Gretna Green beendeten den Ritt bei 60 km vorzeitig in der Wertung. – Das war unter anderem der technisch hoch anspruchsvollen Strecke geschuldet, die das Veranstalter-Team der „Mut-zur-Strecke“-Ritte unter Michaela Wilczek festgelegt hatte. Schon nach der ersten Runde musste die Tierärzte einige Teilnehmer herausfiltern, die den Kurs offenbar wie ein Brandenburger Sand-Flachrennen angegangen waren, und sich plötzlich in einer hügeligen Endmoränenlandschaft mit abwechselnd Wald- und Wiesen-, aber auch tiefen Sand-, Schotter- und Geröllwegen wiederfanden. Das hatte offenbar so mancher unterschätzt! Lahmheiten waren die Folge. Das anfänglich neun Starter starke Feld der Landesmeister-Aspiranten war schnell auf sechs Konkurrenten zusammengeschmolzen. Ganz bitter traf es Ute Wiemer mit ihrem Vollblutaraber Elfamir. Sie konnte sich zunächst Runde für Runde weiterqualifizieren und lieferte sich am Ende ein bejubeltes Finish mit Maria Lippert, wobei Elfamir einige Längen Vorsprung hatte. Das wäre der Titelgewinn gewesen! Doch in der Nachuntersuchung kam das Aus. Die Tierärzte machten es sich nicht leicht. Ein schlechter Wert der Kapillarfüllung war nur das Zünglein an der Waage für den tierärztlichen Dreierentscheid, Elfamir zu eliminieren. Die Enttäuschung der Reiterin war groß, zumal dem Pferd kein desaströs schlechter Zustand anzusehen war. Doch die Summe aller Faktoren ergaben den Gesamteindruck, dass Elfamir zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung keine weiteren 20 km hätte laufen können. Und das zählte – im Sinne des Tierschutzes, der hier konsequent umgesetzt wurde!

Auch die einzige Teilnehmerin der Jugendmeisterschaft über 100 km, Maria Hanssen mit Habibti, hatte kein Glück. Tapfer hatte die 14jährige Reiterin die ersten beiden schweren 32-km-Runden allein absolviert, konnte sich aber im zweiten Stopp nicht weiterqualifizieren.

Von den drei Senioren, die die 100 km in Angriff genommen hatten, beendete allein Jessica Spitzke mit Kotaiba die Prüfung in der Wertung, allerdings auch bereits bei 80 km.

Interessant ist ein Blick in die Ergebnislisten der anderen Begleitprüfungen. So waren beinahe unbemerkt und unauffällig zwei der hochkarätigsten Distanzreiterinnen Deutschlands zu Gast, um in Ützdorf ihre Nachwuchspferde zu qualifizieren. Beim MDR über 80 km sah man die frisch gebackene deutsche Meisterin Clara Haug, hier mit ihrem 6jährigen Youngster Carhim des Aubepines. Der Angloaraber belegte mit 12,3 km/h Platz zwei hinter Karina Starosts Daytona (12,7 km/h) und erhielt zudem den Konditionspreis.

Über 40 km ritt die WM-Teilnehmerin von 2014, Jenny Stemmler, ihren 5jährigen Nachwuchs Dionysos d’Aurieres in die Wertung.

Die Veranstalter hatten die Landesmeisterschaft auch für Starter aus anderen Bundesländern geöffnet, sofern diese eine Mitgliedschaft in einem Brandenburger Reitverein besaßen, wie es auch bei der Wertung für den Landespokal üblich ist. Diese Vorgehensweise war bei den übrigen Teilnehmern nicht ganz unumstritten, hatte jedoch das löbliche Ziel, ein größeres Starterfeld zu schaffen. Nur so war der inzwischen in Sachsen beheimateten „Alt-Brandenburgerin“ Franziska Finkel die Wertung in der LM überhaupt möglich. Und auf diese Art kam auch das Gastspiel der sächsischen Landes-Vizemeisterin Friedrike Schwarz mit Mona Lisa zustande, die jedoch die 120-km-Prüfung bei 60 km in der Wertung beendete.

Der erfolgreichste Sachse des Tages war Sven Lüdeke, der den MDR über 61 km mit seinem Anglo-Araber Eros in 13,8 km/h für sich entschied. Den zweiten Platz teilten sich in 12,45 km/h Gerun Golde mit der Englischen Vollblutstute Mandy und Susanne Resnitschek mit dem erneut beeindruckend entspannten Vollblutaraberhengst Osborne.

Sybill Matzdorf, einst Landesmeisterin und DM-Teilnehmerin, ritt den 8jährigen Nachwuchs Jilfan Ghazi in 12,3 km/h zum Sieg über Boschido unter Uwe Hilbig.

Drei Warmblüter sah man auf den vorderen Plätzen des KDR über 41 km. Gewonnen wurde die Prüfung von DSP Papillon unter Anja Birlem in 12,8 km/h. Platz zwei belegten gemeinsam Maxina Zakrzewski mit D’Elfi und Jessica Francus mit Apollo. Überhaupt waren sowohl in dieser als auch in den anderen Wettbewerben viele großformatige Pferde am Start. Nicht zuletzt hatte auch das gastgebende Trakehner Gestüt „Elchniederung“ den 61-km-MDR gut bestückt und konnte sich schlussendlich über vier Trakehner in der Wertung freuen.

Der zutiefst empfundene Dank des Tages ging aber wohl seitens der Vizemeisterin Birgit Kurek an ihren vierbeinigen Partner. Nur wenige Kilometer vorm Ziel stürzte sie bei einem Ausrutscher des Pferdes aus dem Sattel und trug nicht unerhebliche Gesichtsverletzungen davon, die später ambulant behandelt werden mussten. Hamdani Ashhira jedoch wartete, bis seine Reiterin wieder aufgesessen war, und trug sie dann zu einem sicher ebenso denkwürdigen wie unvergesslichen Vizemeister-Titel.

Miriam Lewin

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