Landesmeisterschaft Distanzreiten und -fahren

Distanzpferde sprangen zum Sieg

Eher ungewöhnlich gestalteten sich die Zielleinlauffotos bei der Landesmeisterschaft der Distanzreiter Berlin-Brandenburgs in Ruppin am vorletzten Mai-Wochenende. Dann mit einem mächtigen Satz flogen sowohl die Landesmeister – Daytona unter Karina Starost – als auch die Landesjugendmeister – Habibti unter Maria Hanssen – über die gekalkte Ziellinie.

Am Sonnabendmorgen waren elf Senioren auf die 100 km lange Strecke gegangen. Vier Reiterinnen traten über 81 km bei den Junioren an. Am Ende des Tages beendeten acht Senioren und alle Jugendlichen den Ritt in der Wertung.

Die neue Landesmeisterin Karina Starost hat sich mit ihrer 17jährigen Warmblutstute Daytona in den letzten Jahren behutsam an die lange Strecke herangetastet, wobei das Paar sowohl durch Ehrgeiz, aber auch durch Umsicht auf sich aufmerksam machte. Nun wurde das gute Aufbautraining durch den Landesmeistertitel belohnt. Dabei galt es noch bis zum letzten Augenblick um den Sieg zu zittern. Nicht, weil ihre Verfolgerin ihr im Nacken gesessen hätte – die spätere Vizemeisterin Valentina Scholz mit ihrem Vollblutaraberhengst Hadi di Pegaso kam erst 25 min später ins Ziel – sondern weil die fotogene Finish-Galoppade in ungewöhnlicher Mai-Hitze den Puls der Siegerin heraufgejagt hatte. Buchstäblich in letzter Sekunde wurde Daytona innerhalb der vorgeschriebenen 20 min mit 64 Pulsschlägen pro Minute dem Tierarzt vorgestellt. Eine Minute länger gewartet, hätte es Karina Starost Sieg und Wertung gekostet! Wesentlich schneller regenerierte der Vizemeister Hadi de Pegaso und bestätigte den guten Gesamteindruck auch am Folgetag, weshalb die Tierärzte den elfjährigen Hengst mit dem Konditionspreis belohnten.
Die Sieger hatten die Strecke mit 16,9 km/h in 356 min gemeistert, die Vizemeister mit 15,7 km/h in 381 min. Erst nach 452 min (13,3 km/h) kam die Drittplatzierte Jana Weingart mit ihrem Arabermix Pitu ins Ziel. Landestrainerin Michaela Wilczek und Anne Melles teilten sich mit Gold Boy und Le Pars Platz vier vor Doubletime unter Gundula Barth, welche am Sonntag ihr Seahorse für die Fahrermeisterschaft anschirrte.

Beim dritten Anlauf klappte es endlich mit dem Jugendmeistertitel für Maria Hanssen und Habibti. Sie hatte die ersten runden gemeinsam mit Anne-Lena Simms und Safiza bestritten, sich dann aber auf den letzten Kilometern deutlich abgesetzt und siegte mit sechs Minuten Vorsprung auf die Vizemeisterin. Mit ihrer elfjährigen Partbred-Araberstute Habibti hatte sie die 81 km in 358 min (13,6 km/h) zurückgelegt. Anna-Lena Simms und Safiza aus dem Stall von Mara Schima benötigten 364 min (13,4 km/h). Platz drei belegte Safizas Stallgefährte, der bereits 22jährige Araber-Welsh-Mix Beach Boy, unter Patrica Jesske in 390 min (12,5 km/h). Vierte wurde Johanna Siemchen mit dem Fjordpferd Olav. Den Konditionspreis vergaben die Tierärzte in dieser Prüfung an das Siegerpferd Habibti.

Über 66 km wurde am Folgetag die Landesmeisterschaft der Fahrer ausgetragen, und es sah zunächst ganz nach einer erfolgreichen Titelverteidigung von Gundula Barth und Seahorse aus, die auf der letzten Runde einen deutlichen Vorsprung herausgefahren hatte. Doch leider regenerierte der Traber im Ziel nicht in der vorgeschriebenen Zeit. Damit gingen Sieg und Landesmeistertitel an Cornelia Rüthnick mit ihrem elfjährigen Welsh-Cob Gwydion The Harlequin, welche die Strecke in 287 min (13,8 km/h) zurückgelegt hatten. Vizemeister wurde die Schwester der Siegerin Michaela Rüthnick mit Anton in 336 min (11,8 km/h). Judith Schillmann, die am Vortag in der berittenen Prüfung kein Glück gehabt hatte, steuerte ihren Zweispänner in 365 min (10,8 km/h) auf Platz drei. Und auch hier bestach ein Pferde-Senior mit seiner Gesundheit und Leistungsfähigkeit, denn der über Tausende von Distanzkilometern geprüfte Holger-Loki ist bereits 23 Jahre alt. Gemeinsam mit dem alten Hausdegen hatte Judith Schillmann den 8jährigen Lasse angespannt. Auf Platz vier trabte mit Alexandra Siemchen im Sulky die nur 100 cm große Shetlandpony-Stute Unessa.

Bei schönem, aber auch sehr warmem Maiwetter hatten die Teilnehmer gute Bedingungen vorgefunden. Zwei Einführungsritte und ein KDR über 41 km, der von Habibtis Mutter und Stallgefährtin Haara unter Carola Müller gewonnen wurde, rahmten die Meisterschafts-Prüfungen ein.

Miriam Lewin

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