Rilana Sansour 2018

Die amtierende Landesmeisterin im Distanzreiten

Zu Besuch bei Rilana Sansour

Rilana und Gretna Green 2012

Dass Rilana Sansour und ihre heute 13jährige Traberstute Gretna Green in der vergangenen Distanzsaison das Zeug zum Landesmeister haben würden, hatte sich spätestens bei deren gemeinsamem Auftritt beim CEI-Wochenende in Neustadt (Dosse) gezeigt. Da hatten sie als bestes Brandenburger Paar mit 14 km/h Platz drei beim nationalen 86-km-Ritt belegt. Sechs Wochen später passte der 120er LDR in Britz genau in die Wettkampfplanung. Dass der Ritt als Landesmeisterschaft ausgeschrieben war, erschien Rilana eher nebensächlich. Es sollte der erste LDR über mehr als 100 km für die Stute werden, und dann passte eben alles. Mit 45 min Vorsprung holte sie den Landesmeister-Titel vor einem prominent besetzten Teilnehmerfeld. „Wenn ich gewusst hätte, dass ich so weit vorne liege, wäre ich die letzte Runde viel ruhiger angegangen“, kommentiert die Reiterin. Und beinahe wichtiger als die Schärpe war ihr die zusätzliche Auszeichnung von Gretna Green mit dem Konditionspreis für das fitteste Pferd am Tag nach dem Wettbewerb. – Dabei hatte es für Gretna Green im Jahr davor alles andere als rosig ausgesehen. Bei einem Verladeunfall hatte sie sich einen Griffelbeinbruch zugezogen, der operiert worden war. Danach erfolgte ein behutsamer Neuaufbau des Pferdes. „Ich hätte auch 2016 zum Saisonende hin schon wieder mit ihr starten können“, sagt Rilana“, aber ich wollte nichts riskieren.“ Auch in dieser Formulierung schwingt Umsicht mit.

Zieleinlauf LM Britz 2018

Rilana hat die Traberstute 5jährig gekauft und behutsam trainiert. Die liebevoll „Grete“ und weniger liebevoll „Grete Grausam“ Genannte ist kein einfaches Pferd. Einer der ersten Auftritte des Pferd-Reiter-Paares in der Distanzwelt war ein Lehrgang bei Dressurausbilder Ralf Döringshoff. Da musste Rilana die Reitstunde abbrechen, weil sich „Grete Grausam“ nur noch mit allen Vieren in der Luft befand. „Sie weiß was sie will“, bemerkt Rilana, „und was sie nicht will.“ – „Vielleicht einmal bis 60 Kilometer gehen“, war ihr Ziel gewesen, als sie die große Braune 2010 aus dem Trabrennsport übernahm. Der Weg zur langen Strecke führte über Mehrtagesritte, die meist eher Wanderritt-, als Wettkampfcharakter haben. Bewusst langsam geritten sei sie in den ersten zwei Jahren. „Grete“ ist ein geborener Fünfgänger. Wenn sie unaufmerksam oder aufgeregt ist, bringt sie Pass, Tölt, Schritt, Trab und Galopp durcheinander. Rassebedingt absolviert sie das größte Pensum am liebsten im Trab. – Mit den Trabern ist Rilana groß geworden, beim Vater auf der Trabrennbahn. Ihr erstes Pferd bekam sie mit 16, Reitunterricht hat sie sich selbst zusammengespart, indem sie Verleihpferde pflegte. Als sie 20 war, kam der damals 5jährige Araber-Norweger-Wallach Casanova zu ihr, ein Endmaßpony, das unter seiner viel zu großen Reiterin die Richter im Turniersport alles andere als beeindruckte. Sie verkaufte ihn – und kaufte ihn zurück, als er bei seiner neuen Besitzerin bereits einmal totgesagt worden war. Dann erst, mit dem 22jährigen, startete sie bei ersten Distanzwettbewerben und bestritt zwei erfolgreiche Saisons, bevor sie den Wallach in den Ruhestand schickte, den der nunmehr 27jährige auf der Weide verbringt.

Rilana, Gretna Green, Uwe

Insgesamt sieben Distanzpferde stehen im Offenstall bei Nassenheide bei Rilana Sansour und ihrem Lebensgefährten Uwe Schiller, der von Haus aus Hufschmied ist. Knackig kurz und schnell liebt Uwe seine Wettbewerbe, während Rilana ihre Pferde eher nachhaltig für die lange Strecke aufbaut. Wem gerade welches Pferd zuzuordnen ist, variiert in einigen Fällen – nicht aber bei Gretna Green, auf die lässt Rilana nichts kommen, auch nicht ihren Uwe. Mit den Trabern scheint die beiden Reiter eine Art zärtliche Hassliebe zu verbinden. Auch Uwes Kazaam verfügt über einen wenig schmeichelhaften Spitznamen, und dann ist da noch Senior Carinjo. Hart sei sie, diese Rasse, da sind Rilana und Uwe sich einig, und zwar in jeder Hinsicht: harte Gänge, hart auf den Beinen, hart im Nehmen, aber auch viel klarer im Kopf als die Englischen Vollblüter, die als nächstes angeschafft wurden. Das sind Uwes schicker Riesenrappe Sharivar sowie der elegante Readyspice und die kleine Kölner Princess aus dem Stall von Galoppertrainer Roland Dzubacz. Rilana liebt die Englischen Vollblüter ebensoso sehr wie sie ihr auch Kopfzerbrechen bereiten. Den übermütigen und manchmal unberechenbaren Readyspice hat sie schließlich an Uwe abgetreten. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass Kissing Spines die Ursache für seine Buckeleskapaden sein könnten. Noch überlegt Rilana, ob sie sich der – auch zeitlich – anspruchsvollen Aufgabe stellen will, den Wallach seiner Erkrankung gemäß zu gymnastizieren und zu reiten. Der Gedanke, sich von ihm zu trennen, fällt ihr schwer. Aber dann ist da auch noch Kölner Princess, die sie als Zweitpferd aufbauen möchte. Nachdem die zierliche Fuchsstute 2015 zu ihr gekommen war, erlag sie beinahe einer Weidevergiftung. Es folgten eine lange Rekonvaleszenz und zwei erste Einführungsritte im Jahr 2017. Doch auf der langen Strecke sieht Rilana die Stute eher nicht. „Die meisten Vollblüter sind auf Dauer nicht belastbar genug“, so ihre Einschätzung, „ihnen fehlt die Härte.“ So werden große Ziele primär mit den Trabern angestrebt, mit Gretna Green an erster Stelle, vielleicht auch mit Kazaam. Behutsam, ganz nach Rilanas Konzept, erfolgt „Gretes“ Saisoneinstieg im Februar – über 25 Kilometer.

Miriam Lewin