Schönwalde (Glien) 25. Februar 2018

Mut zur Strecke …

… nennt die Regionaltrainerin Distanzreiten Michaela Wilczek ihre neu ins Leben gerufene Veranstaltungsserie, die sich sowohl an Distanz-Einsteiger als auch an gestandene Sportler wendet. Ganz behutsam starteten Neulinge und „Wiederholungstäter“ am letzten Februar-Wochenende mit 40, 25 oder 15 (WBO)-Kilometern in die Saison. Um auch Anfänger und Quereinsteiger abzuholen, fanden die auf der Reitanlage TI Sportpferde von Tahani Ibrahim in Schönwalde ausgetragenen Wettbewerbe in Verbindung mit einer Seminarveranstaltung rund um den Distanzsport statt. Ziel der Veranstalter ist es, den Distanzsport im gesamten Reiterlager als Spaß für jedermann und Ausgleich für jedes Sportpferd zu etablieren. Mit ihrem vielseitig ausgebildeten Warmblüter DSP C’est la Vie, den sie diesmal Anna Tiede zur Verfügung gestellt hatte, geht die Regionaltrainerin seit jeher mit gutem Beispiel voran. Anlagenbetreiberin Tahani Ibrahim und Stallgenossin Patricia Ziegert zogen nach und nahmen mit den Dressurhengsten Stardust und Sambas Dark erfolgreich 25 Kilometer in Angriff. Es gilt, das alte Motto des Distanzsports „Alle Reiter, alle Rassen“ wieder zu etablieren und die Disziplin aus der Schmuddelecke herauszuholen, in die sie dank der pferdeverachtenden Praktiken einiger Wüstenstaaten gern von stigmatisierenden Medien gestellt wird. Mit einem Sanddünenrennen hatte der Winterritt in Schönwalde bei frostigen Minusgrade und hart gefrorenen Böden ungefähr so viel zu tun wie eine Polarexpedition mit der Ralley Dakar. Mut zur Strecke brauchte es dennoch in der Tat, denn man reite erst einmal auch nur 15 km im Schritt und Schaukeltrab bei klirrenden -10° C! Umso bewundernswerter alle, die diese Herausforderung meisterten! Auf gut 10 km/h und damit LK 2 brachte es das Führungstrio über 40 km, bestehend aus Julia Naumann mit dem Araber GB Aslan Jamil, Bertholt Flick mit der Oldenburger Stute Quiara und Judieth Schillmann mit dem 22jährigen Super-Norweger Holger Loki.

Während man in Glien der zweiten Veranstaltung am 21. Juli, dann allerdings als Landesmeisterschaft über 120 km und 90 km (Junioren) entgegenblickt, zog es das Gros der mutigen Brandenburger Distanzreiter Anfang März tatsächlich in die Sanddünen – zum ersten „Reiten und Meer“ auf dem Darß.

Miriam Lewin

Zernikow am 30. September/1. Oktober 2017

Herbstdistanz

Gut Zernikow veranstaltete in diesem Jahr einen Mehrtagesritt, der auch in Teilstrecken geritten werden konnte, wobei der 84-km-LDR als Kartenritt ausgeschrieben war. – Und interessanterweise verritten sich auf den markierten Kurzstrecken einige, während die Kartenreiter anscheinend problemlos Weg fanden. In der ersten Tagesetappe siegte Franziska Finkel (Erlau) mit der 7jährigen VA-Stute Zhaji El Aziz in 11 km/h vor weiteren fünf Reitern, die gemeinsam auf Platz zwei kamen, als da waren Judith Schillmann mit dem unverwüstlichen 21jährigen Norweger Holger Loki, Maria Lippert mit Al Mashhar Al Azim und Sonja Becker mit Amurath Chenook, die zwei Gästen aus Kuweit Pferde zu Verfügung gestellt hatte: Al Kafeet Mohammad, der auf IS Piroshka saß, und Alajmi Faisel im Sattel von Amurath Shashima. Den Sieg über die gesamte MTR-Strecke über 140 km erritt Carolin Fleischer (Dippoldiswalde) mit der Holsteiner Stute Cantana vor Michaela Wilczek, deren C’est la Vie hier ein schönes Comeback feierte, und Maria Liegener bei ihrem ersten MTR mit Gaja auf Platz drei.

Hans-Joachim Rühlemann (Berlin) ließ mit Chorista auf der Kurzstrecke über 55 km in 14,2 km/h nichts anbrennen, wurde aber dicht gefolgt von der erst 11jährigen Jolie Jäschke auf Shirkan und Natascha Schlegel auf Buck-Kid-Pride. Jolies zwei Jahre ältere Schwester Jamie hatte verantwortungsbewusst das Tempo herausgenommen und kam mit ihrem Pharao 40 Minuten später ins Ziel.

Miriam Lewin

LM in Britz am 2. September 2017

Traberpower in Britz

Mit Bravour und 44 Minuten Vorsprung erritt Rilana Sansour (Liebenwalde) am 2. September in Britz den Landesmeistertitel im Distanzreiten. In der 120 km langen Prüfung steuerte sie ihre 12jährige Gretna Green in 08:31:00 (14 km/h) zum Sieg. Über diese Streckenlänge startete die große Traberstute, die von ihrer Reiterin über Jahre hinweg kontinuierlich aufgebaut worden ist, hier zum ersten Mal. Somit war dieser verdiente Sieg weder eine Überraschung noch eine Eintagsfliege, sondern das Resultat gezielter Vorbereitung – jedoch umso erfreulicher und bemerkenswerter, da Gretna Green in der vergangenen Saison verletzungsbedingt pausieren musste!

Gleich drei Vollblutaraber-Hengste gingen in der Landesmeisterschaft an den Start, und mit Pagur unter Anne-Kathrin Melles (Berlin) und Jilfan Assalaam unter Anne Knierim (Berlin) lieferten sich zwei von ihnen ein rasantes Finish um Platz zwei, nur knapp gefolgt von AV-Wallach Hamdani Ashhira unter Birgit Kurek, der Landesmeisterin von 2015. Dabei setzte sich der im Gestüt Elchniederung als Deckhengst aufgestellte Pagur in 09:15:00 gegen den von den Geschwistern Knierim stets sehr behutsam eingesetzten Distanz-Routinier Jilfan Assalaam durch. Nur um je eine Minute getrennt hatten diese drei Pferde die Strecke mit knapp 13 km/h absolviert. Mit 11,9 km/h belegte der Traber Doubletime unter Gundula Bath (Kyritz) Platz fünf. Als dritter Hengst im Bunde konnte Hadi die Pegaso unter Valentina Scholz (Berlin) die Prüfung nach 86 km ebenfalls in der Wertung beenden.

Den Jugendmeistertitel erkämpfte sich Nicole Gust (Teltow) mit ihrer 14jährigen Traberstute Honestly Diamant im Finish gegen Maria Hanssen (Berlin) mit der Araber-Ponymix-Stute Habibti in 05:12:00 (16,5 km/h). Auch für die 20jährige Landesjugendmeisterin kam der Erfolg nicht unerwartet, sondern stand am Ende einer gründlichen, jahrelangen Vorbereitung. Und selbst die 13jährige Vizemeisterin überraschte nicht, hätte sich die ambitionierte Nachwuchsreiterin bei anderer Konstellation doch schon im letzten Jahr der Konkurrenz um den Titelgewinn gestellt. 24 min nach den beiden Erstplatzierten ritt Julia Neumann mit GB Aslan Jamil ox in 15,3 km/h auf Platz drei, nur zwei Minuten später kam Katharina Gericke mit Aman ox ins Ziel.

Insgesamt waren beide Wettbewerbe erfreulich gut besetzt, und mit je einer Reiterin pro Prüfung blieb auch die Non-Qualifier-Quote im Rahmen.

Leider hielten sich die Starterzahlen der drei Begleitritte mit insgesamt 17 Reitern sehr in Grenzen. Den MDR über 67 km sicherten sich Mutter und Tochter Lege mit Alya ox und dem bewährten Warmblüter Baldo in 05:02:00 (13,3 km/h) vor Annika Handschuck mit Coheyla Sam Sara und Ines Fleischhauer mit Emporium. Beim KDR über 51 km siegten Beatrice Danielski mit dem Holsteiner Yolando Be Cool und Christiane Kirsten mit dem Araber Shaitan.

Einige interessante Teilnehmer zeigten sich beim Einführungsritt über 40 km. So sah man Michaela Wilczek mit dem Nachwuchspferd Gold Boy, einem 5jähren Vollblutaraber-Wallach, während sie ihren Routinier C’est la Vie Anna Thiede zur Verfügung gestellt hatte. Mit Carhim des Aubepines, einem großrahmigen Angloaraber, konnte man den 5jährigen Nachwuchs im Stall der international erfolgreichen Clara Haug in Augenschein nehmen. Und last but not least nutze Maike Grell den Ritt als „Einstellungstest“ für die inzwischen in ihr Quartier übergewechselte 7jährige Trakehner Halbblutstute Vanga (Veni Vidi Vici). Von diesen Pferden – und natürlich ihren Reiterinnen – werden wir in den kommenden Jahren hoffentlich noch viel hören.

Das freundlich-familiäre Ambiente vor herrlicher Landschaftskulisse auf dem Ponyhof Britz sorgte für den passenden Rahmen für diese Landesmeisterschaft.

Miriam Lewin

Stechlin am 15. Juli und Ruppin am 12. August 2017

Kein Sommerloch in Brandenburg

 

Zwei Distanzveranstaltungen sorgten dafür, dass zwischen der Deutschen Meisterschaft in Neustadt (Dosse) und der Landesmeisterschaft in Britz kein Sommerloch entstand: Der 7. Distanzritt durch die Stechliner Forst am 15. Juli mit Ritten und Fahrten von 31 bis 95 km und die 5. Ruppiner Distanz mit Wettbewerben von 25 bis 70 km. Den LDR in Stechlin nutzte Anne Käselitz (die spätere Dritte der Sachsen-Meisterschaft) als Trainingsritt für ihre Abrexina und siegte gemeinsam mit Maria Lippert auf Al Ashar Al Azim. Nicole Gust, spätere Berlin-Brandenburger Landesjugendmeisterin, ritt ihre Traberstute Honestly Diamant zum Sieg über 75 km. Im KDR finishten Uwe Schiller und Martina Baumann ihre Pferde Sharivar xx und Hamdani Mishal ox in 13,7 km/h gemeinsam auf Platz eins. Erfolgreich absolvierte hier auch die Fahrerin Sarah Schulle die 75 km mit dem New Forest Pony Pico, die ebenso in Ruppin noch einmal über 40 km zum Sieg steuerten. Auch diese Veranstaltung stand im Zeichen der Vorbereitung auf die Landesmeisterschaften. Vizemeisterin in spe Anne-Kathrin Mellies brachte den VA-Hengst Pagur an den Start und sicherte sich gemeinsam mit Hans-Joachim Rühlemann und Corista den MDR über 70 km, während Michaela Rüthnick dieselbe Distanz mit dem bemerkenswerten Shetty-Wallach Anton fuhr. Ihren zweiten KDR-Sieg in Folge holten Uwe Schiller und der Englische Vollblüter Sharivar in 16,4 km/h vor GB Aslan Jamil, geritten von Renan Borowicz. Einige prominente Reiter nutzten den 40-km-ER als Trainingsstrecke, so Rilana Sansour mit Traber Kazaam, Judith Schillmann mit WA Bashir ox, Nicole Gust mit Gold Boy ox oder Michaela Wilczek mit C’est la Vie.

 

Miriam Lewin

CEI & DM Neustadt (Dosse) am 24. Juni 2017

Deutsche Meisterschaften im Distanzreiten

Am 24. Juni 2017 war Neustadt (Dosse) nach 1999 zum zweiten Mal in der Geschichte des Distanzsports Austragungsort der Deutschen Meisterschaft und Jugendmeisterschaft.

Anne Wegner aus Hannoversch Münden wurde neue Deutsche Meisterin. Mit ihrem achtjährigen Vollblutaraber-Wallach Salamah ibn bint Khazzan Adjawad aus eigener Zucht setzte sie sich in einem rasanten Finish gegen Bernhard Dornsiepen jun. mit Rio und Dunja Kolossa mit Bekele el Djem durch. Die 27jährige errang damit ihren ersten Senioren-Titel, nachdem sie 2016 bereits Bronze erritten hatte und in den Jahren 2008 und 2011 Jugendmeisterin geworden war. Ihre Reitzeit betrug 09:17:08 (17,45 km/h), von ihren Verfolgern nur durch Sekundenabstände getrennt. Bernhard Dornsiepen jun. (Balve), der „ewige Zweite“, war bereits bei den DM 1997, 2003, 2012 und 2016 auf den Rängen zwei oder drei platziert. Mehr als nur ein Trostpflaster war am Ende jedoch der Konditionspreis für seinen Reitpony-Wallach Rio. Für die ebenfalls aus Balve kommende Dunja Kolossa war es die erste DM-Medaille. Die drei Reiter entschieden damit auch den CEI3*-Ritt über 162 km für sich. Den nationalen LDR zur DM gewann Mayke Kalms (Essen) mit ihrem 10jährigen Arasier-Wallach Astrachan in 10:13:30 (15,85 km/h) und belegte damit Platz 4 der DM-Wertung. Auch an Astrachan wurde der Best Condition vergeben. Mit 24 Teilnehmern war das Starterfeld bei den Senioren außergewöhnlich gut besetzt.

Den Jugendmeister-Titel sicherte sich zum dritten Mal in Folge die Rotenburgerin Moira al Samarraie mit ihrer 15jährigen Shagya-Araberstute Zarah in 06:56:55 (17,42 km/h). Auch hier gab es einen packenden Endkampf, in dem Noira al Samarraie ihrer Schwester wie schon im Vorjahr nur knapp unterlag. Nachdem sie 2015 und 2016 mit Famosa auf die Medaillenränge geritten war, errang sie diesmal den Vizemeistertiel mit der 10jährigen Anglo-Araberstute Warsana. Beide Reiterinnen sicherten sich damit auch die ersten Ränge im CEIJYR2* über 121 km, Zarah erhielt zudem den Best Condition. Die national startende Verena Meyer aus der Trainingsgruppe von Lisa Falk erritt dem 8jährigen Vollblutaraber Elox Rang drei, den Sieg im Junioren-LDR sowie den Konditionspreis der nationalen Prüfung.

Sowohl Anne Wegner als auch die 18jährige Moira al Samarraie und ihre 16jährige Schwester Nayla gehören der neu geschaffenen Perspektivgruppe Distanzreiten beim DOKR an. „Die Perspektivgruppen-Mitglieder haben sich hier super präsentiert, für uns ist das eine Bestätigung, dass wir die richtigen Leute für dieses Förderprogramm identifiziert haben und lässt uns für die Zukunft hoffen“, so Disziplin-Koordinator Nico Hörmann (Berlin), der die Perspektivgruppe beim DOKR betreut.

Internationale und nationale Begleitritte rundeten die Veranstaltung ab. Den CEI2* 121 km gewann Sarah Hahn mit Insh Allah Nazar ox in 09:52:30 (12,25 km/h) vor der Dänin Elen Munksoe mit Wisdoms Al Fahl ox (12,01 km/h). Den ebenfalls stark umkämpften CEI1* über 81 km entschied in 05:12:22 (15,56 km/h) Heike Ganster mit dem Partbred-Araber Aurieres d’Aurieres hauchdünn für sich vor den beiden Niederländerinnen Carmen Römer mit Domino und Marikje Wisser mit L. I. Wallonia. Insh Allah Nazar und Aurieres d’Aurieres erhielten außerdem den Best Condition Award.

Ein starkes Feld aus Sachsen belegte beim LDR über 121 km die Ehrenränge hinter der tschechischen Siegerin Lucie Krejcová auf Lamia (07:42:29 in 15,70 km/h). Auf Platz 2 ritt Luisa Höer (Dresden) mit Le Pars (07:57:56 in 15,20 km/h), der auch den Konditionspreis bekam. 45 min später folgten in Sekundenabständen Anne Koch (Großröhrsdorf/Sachsen) mit Bonitah, Antje Weida (Niedersachsen) mit M. Ghayatan Laziz und Sven Lüdecke (Riesa/Sachsen) mit Eros. Friederike Schwarz (Dresden) konnte den LDR 162 mit ihrer Warmblutstute Mona Lisa vorzeitig bei 146 km in der Wertung beenden.

Den LDR über 86 km gewann Katharina Witt (Niederorla/Thüringen) mit ihrer Ponystute Coco Chanel in 05:37:05 (15,31 km/h) vor Doris Kraft (Duisburg) mit Ashanti und Rilana Sansour (Liebenwalde) mit ihrer Traberstute Gretna Green.

Die beiden MDR wurden von Tanja Elezovic mit Chatham Park Avalon knapp vor Hans-Joachim Rühlemann mit Corista und Daniela Kübbeler mit Padjera (80 km) sowie von Sarah Müller mit Navetta vor Tochter und Mutter Hanssen mit Habibti und Armangac (64 km) gewonnen.

Beim KDR hatte Daytona unter Karina Starost die Nase knapp vor Bo Kasheena unter Natascha Schlegel. Auf den nächsten beiden Plätzen folgten, ebenfalls im Sekundenabstand Ina Löckelt mit Blokpost und Erwin Müller mit Lahischa. Insgesamt hatten sich über 100 Teilnehmer auf den Weg nach Neustadt (Dosse) gemacht.

Die Veranstaltung war am Donnerstagabend mit einer begeistert aufgenommenen Gestüts-Show eröffnet worden. Ein schweres Unwetter hatte am selben Tag für einige Verwüstungen durch umgestürzte Bäume auf der Strecke gesorgt, aber auch für elastisches Geläuf und ideales Reitwetter bei Temperaturen um 20°C. Dass vor allem einige von weiter her angereiste Starter die flachen, naturbelassenen brandenburgischen Strecken unterschätzt hatten, zeigte eine Qualifier-Quote von 53,6 % bei den CEI-Ritten, was jedoch im internationalen Maßstab ein vollkommen üblicher Schnitt ist. Bei den nationalen Ritten gab es eine erfolgreiche Ankommer-Quote von 66,2 %, und rechnet man die ambitionierten Meisterschafts-Ritte heraus, konnten sich am Ende sogar 73,7 % in der Wertung qualifizieren.

Einen besseren Gastgeber und Austragungsort als die Neustädter Gestüte hätten die Distanzreiter sich nicht wünschen können. Es war nicht allein die großartige Kulisse und das Gefühl, als Distanzsportler nicht nur geduldet, sondern herzlich willkommen zu sein, sondern die tatkräftige Unterstützung der Gestütsmitarbeiter, die den reibungslosen Ablauf des Wettkampfes ermöglicht und den Distanzreitern ein unwiederbringliches Erlebnis beschert haben.

Überschattet wurde die Veranstaltung durch den Tod des Pferdes Amira der DM-Teilnehmerin Ursula Klingbeil. Kurz vor Erreichen des 4. Vet-Gates erlitt die Stute, die zu diesem Zeitpunkt ruhig getrabt wurde, eine plötzliche Muskelverletzung und wurde sofort durchpariert. „Die Verletzung zwar sehr schwer, aber nicht tödlich“, äußerte sich die Reiterin später auf Facebook. „Wir haben entschieden, dass sie ein Weiterleben mit Leiden nicht verdient hat. Als Tierarzt und Pferdemensch geht mir das Wohl der mir anvertrauten Tiere über alles. Daher hat unsere Familie sich so entschieden. Eine solche Entscheidung ist sehr, sehr schwer und ist nicht leichtfertig getroffen worden.”

Miriam Lewin

Schildbürger Distanz in Sachsen

Letzte Vorbereitung zur DM in Neustadt (Dosse)

Alles andere als ein (sprichwörtlich gewordener) Streich der Bewohner des Austragungsortes wurde die 4. Schildbürgerdistanz am 1.-Mai-Wochende in Schilda, nahe Torgau, im Nordzipfel Sachsens, dicht an der Grenze zu Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Da der am letzten April-Wochenende etablierte Rüdnitzer Distanzritt in diesem Jahr abgesagt worden war, pilgerten viele Reiter aus den benachbarten Bundesländern nach Sachsen. Für das Rekord-Nennungsergebnis von 112 Pferden bedankten sich die Veranstalter mit einem toll organisierten Event auf dem und um das Gelände der Pferdesportarena Schildau herum. Allein 40 Sport- und Freizeitreiter sowie -fahrer nahmen das Angebot der nach Leistungsklassen gewerteten Einführungsprüfung über 31 km wahr, 23 Pferde waren auf dem KDR über 55 km unterwegs. Auf allen Strecken gab es nur sehr geringe Ausfallquoten.

Interessant besetzt waren die längeren Wettbewerbe über 69, 80 und 94 km sowie der Mehrtagesritt über 110 km (69 + 41 km). Hier siegten drei sächsische Reiterinnen – Friederike Schwarz mit der Warmblutstute Mona Lisa, Anne Koch mit Bonitah ox und Carolina Fleischer mit der Holsteiner Stute Catana – sowie die Brandenburgische Landesmeisterin von 2013 und 2014, Andrea Herlt mit CD Zenith ox gemeinsam vor dem in Brandenburg ebenfalls bestens bekannt Vollblutaraberhengst Jilfan Assalaam unter Anna Knierim.

Den LDR entschieden die Deutsche Jugendmeisterin von 2010 und 2014 Clara Haug aus Waren (MVP) mit ihrem derzeitigen Championatspferd Shakiraah ox und Anne Kaeselitz aus Sachsen mit Abrexina (Deutsches Reitpony) in 07:01.00 h für sich vor Gundula Bath (Brandenburg) mit ihrem Traber Doubletime und dem sächsischen Landesmeister von 2015, Axel Baldauf mit seinem Arabermix Shayan in 07:52:00 h.

Der nur mit zwei Startern besetzte MDR über 80 km blieb in Sachsen, bei Luisa Höer mit dem Araber Le Pars und Veit Koppe mit seinem selbst gezogenen Trakehner Filou Rouge in 04:57:00 h.

Über 69 km Siegte Elaine Kühlmann (Sachsen) mit dem Warmblüter Avec Moi in 04:35:00 h knapp vor den beiden Brandenburger Starterinnen Kristina und Nicole Gust mit Faa Sharima und Honestly Diamant.

Viele der Teilnehmer wird man mit Sicherheit am 24. Juni in Neustadt (Dosse) wiedersehen. Auf dem Gelände des Brandenburgischen Landgestüts werden dann die Deutschen Meisterschaften und Jugendmeisterschaften im Distanzreiten ausgetragen sowie hochkarätige internationale Wettbewerbe bis hin CEI3* über 160 km. Starter aus ganz Europa werden erwartet. Aber auch Reiter aus der Region können sich bei nationalen Begleitritten von 50 bis 120 km messen. Besonders gespannt dürfen wir jedoch sein, welche Namen sich auf den Starterlisten der DM finden lassen werden. Wenn Shakiraah und Mona Lisa fit und gesund bleiben, dürften die nunmehr 22jährige Clara Haug und Friederike Schwarz gesetzt sein …

Miriam Lewin

Märkisch Buchholz 2017

Klein und Groß und kunterbunt

Vielfalt zeichnete den Saisonstart am zweiten Aprilwochenende in Märkisch Buchholz aus. Großpferde, Kleinpferde, Ponys aller Coleur starteten in Reit- und Fahrprüfungen und das nicht allein im Distanzsport, sondern auch bei WBO-Wettbewerben sowie in Dressur- und Springprüfungen der Kl. E und A, gekrönt vom Preis der e.dis AG, der an Renee Luisa Fellner vom Ländlichen RV Lichtenrade mit Navajo ging. Auch der Kreismeistertitel im Distanzreiten war ausgeschrieben. Er wurde an Anne-Kathrin Melles (RV Kagel) mit Pagur ox vergeben, die beim 82-km-Ritt mit 12,5 km/h Platz drei belegt hatten. Der im Gestüt Elchniedrung aufgestellte, gekörte VA-Hengst ist u.a. vom ZfDP und Trakehner Verband anerkannt. Mit 15,1 km/h war die Dresdnerin Friederike Schwarz mit ihrer Warmblutstute Mona Lisa die schnellste über 82 km, wobei sie die Chance genutzt hatte, vom MDR aufzusteigen. Die eigentliche LDR-Wertung gewannen die Berlinerin Valentina Scholz und die Dresdnerin Anne Koch mit Tariq ox und Bonitah ox in 13,7 km/h. Gefahren wurde die lange Strecke in 10,4 von Judith Schillmann (Bernau) mit den Fjordpferden Holger Loki und Aaron im Zweispänner. Der vielseitige, unverwüstliche, mittlerweile 21jährige Holger Loki hatte sich mit 1.174 Jahreskilometern in der letzten Saison den Titel „Aktivstes Pferd“ der Region Berlin-Brandenburg gesichert.

Aus Niedersachsen war die Siegerin über 69 km, Michaela Kosel, angereist, die den MDR als Qualifikationsritt für ihren Hengst MK Shadow ox (15,7 km/h) in Hinsicht auf FEI-Ritte und Hengstleistungsprüfung benötigte. Platz zwei und drei gingen wiederum nach Sachsen, an Carolin Fleischer mit der Holsteiner Stute Cantana und Claudia Hoyer mit dem Partbred Araber Le Pars.

Insgesamt waren vier kurze Distanzprüfungen über 49 km ausgeschrieben. Die schnellste Zeit lieferte hier am Sonntag mit 03:36:00 h der 9jährige VA-Hengst Hardi di Pegaso unter Valentina Scholz ab. Tags zuvor hatten Renan Borowicz und Beatrice Danelski mit ihren Araberwallachen GB Aslan Jamil und Ge Daquan den KDR in 03:37:00 h absolviert. Schnellste 49-km-Fahrerin war Anne-Marie Schmidt mit dem 100 cm großen PB Shetty Ulsanda in 05:30:00 h, knappp vor Michaela Rüthnick mit dem 14 cm größeren Anton in 05:31:00 h. Ingo Kleinfeld fuhr Fjordi Lasse am nächsten Tag in 05:37:00 h über den Kurs.

Insgesamt 40 Starter gingen auf die 28-km-Distanz, wovon 37 die Einführungsprüfung in der Wertung beenden konnten.

Miriam Lewin

Distanzritt Stechliner Forst

Einen guten Ruf hat sich der Distanzritt Stechliner Forst erarbeitet, seitdem Tanja Schröder und ihr Team die Organisation übernommen haben. Austragungsort ist der Reiterhof Kunkel in Dollgow nahe Rheinsberg, eine landschaftlich reizvolle, wenn auch regionaltypisch flache Region im nördlichen Brandenburg. Beim diesjährigen Ritt am 9. Juli gab es zudem noch schönes Wetter. (Ich erinnere mich an einen rechten „Sauwetterrritt“ im Frühjahr vergangenen Jahres. – Aber auch da waren die Reiter des Lobes voll gewesen, denn ein gemütliches Reiterstübchen bot nicht nur Schutz vorm Regen, sondern auch Snack und Heißgetränk.)

Auf dem LDR über 95 km waren sieben Reiter angetreten. Den Sieg sicherte sich die Ex-Landesmeisterin aus 2015, Birgit Kurek mit ihrem 17jährigen Hamdani Ashhira ox, gemeinsam mit dem bemerkenswert konstant laufenden kleinen 15jährigen Rapphengst Jilfan Assalaam ox von Julian Knierim.

Ein besonders schönes Bild gab es, als beim MDR über 65 km sechs Reiter gemeinsam als Sieger die Ziellinie überquerten. Sven Lüdeke mit Eros, Anne Koch mit Bonitah und Axel Baldauf (der sächsischen Landesmeister 2015) mit Shayan repräsentierten dabei eine starke Fraktion aus Sachsen, während Rilana Sansour mit Kazaam, Annette Seidel mit Assada und Hans-Joachim Rühlemann mit Corista die Berlin-Brandenburger Ehre verteidigten.

Insgesamt waren 64 Starter auf Ritten und Fahrten von 25 bis 95 Kilometern angetreten. Dabei gab es nur einen einzigen Ausfall und auch sonst nur einen kleinen Wermutstropfen, da einige Einführungs- und Kurzstreckenreiter durch Verreiten unbeabsichtigt abgekürzt hatten und dafür Zeitstrafen kassierten.

Die Veranstaltung hat sich erneut mit Nachdruck als Austragungsort für eine Landesmeisterschaft empfohlen, zumal die Strecken auch für Sulkys geeignet sind, sodass es sich anbieten würde, auch wieder eine LMF auszuschreiben – wenn nicht gar einmal einen noch ambitionierten Fahrwettbewerb.

Miriam Lewin

Erfolgreiche CEI-Veranstaltung in Neustadt (Dosse)

Pressemitteilung

Mit einem Sieg von Manuela Haydn (Auerbach) auf dem 11jährigen Vollblutaraber Pastis endete der CEI2*-Wettbewerb im Rahmen der internationalen Distanzveranstaltung am 25. Juni in Neustadt (Dosse). Die Reiterin legte die 120 km lange Strecke  in  08:41:11 h (13,8 km/h) zurück. Auf den zweiten Platz ritt Katarszyna Klosek aus Polen in 08:53:25 h (13,5 km/h), deren 9jährige Araberstute Neide von den Tierärzten den Best Kondition Award zuerkannt bekam. Die beiden CEI1*-Wettbewerbe über 100 und 80 km gingen in die Niederlande – an Masja Derks mit Tanimara und Jannat van Wijk mit Venushka Khan. Insgesamt waren 64 Reiter auf Strecken von 40 bis 120 km unterwegs. Erfolgreichste Teilnehmerin aus Berlin-Brandenburg war Julia Bauereiß auf Platz zwei des CEI1* 80 km mit dem Araberhengst Hadi di Pegaso. Nach sintflutartigen Regenfällen am Vorabend fanden die Pferde ideales Geläuf vor. Die Starter passten ihre Reitweise den schwül-heißen Witterungsbedingungen an, sodass die Quote der nicht qualifizierten Teilnehmer niedrig blieb. Die Veranstalterin Dr. Juliette Mallison und der Gastgeber, das Brandenburgische Haupt- und Landgestüt Neustadt (Dosse), waren sich einig, im kommenden Jahr einen CEI3*-Ritt über 160 km anzubieten.

Miriam Lewin

Landesmeisterschaft im Distanzreiten

Gut Zernikow als Gastgeber für 70 Pferde

Die diesjährigen Landesmeister im Distanzreiten stehen fest. Endlich gelang es Alexandra Hanssen (Berlin), die seit einigen Jahren hoch ambitioniert unterwegs ist, den Titel zu erreiten – und zwar mit ihrer 12jährigen Partbred-Araberstute Haara. Als einziges Paar aus Berlin-Brandenburg bewältigten die beiden bei schwüler Gewitterstimmung die Gesamtstrecke von 120 km in einer moderaten Durchschnittsgeschwindigkeit von 13 km/h. Bis ins Ziel wurden sie von Anne Kaeselitz aus dem sächsischen Großwoltersdorf begleitet, die mit Ihrer Reitponsstute Abrexa als einzige die Gesamtstrecke durchgehalten hatte. Nach einem gleichermaßen ambitionierten wie fröhlichen Finish, auf das sich beide Teilnehmerinnen kurz vor Schluss geeinigt hatten, trabte Abrexa in der Nachuntersuchung leider nicht mehr taktrein vor und wurde disqualifiziert, eine bittere, aber unanfechtbare Tierarztentscheidung. Dennoch hatten die Gäste aus Sachsen entscheidend mitgeholfen die Landesmeisterin auf den letzten Kilometern zu motivieren. Insgesamt acht Teilnehmer waren in dieser Prüfung an den Start gegangen, davon fünf aus Brandeburg.

Den Vizemeistertitel erritt Mara Schima (Schönwalde-Glien), die mit ihrem 16jährigen Vollblutaraber Aman bei 84 km in der Wertung beendete. Auf Platz drei der Gesamtwertung kam Friederike Schwarz aus dem sächsischen Borlas mit Mona Lisa vor der Titelverteidigerin Birgit Kurek (Berlin) mit Hamdani Ashira, die ebenfalls bei 84 km in der Wertung abschloss.

Den Jugendmeistertitel erritt in etwas flotteren 13,74 km/h Sina-Louise Matzdorf (Stahnsdorf) mit dem bereits 23jährigen Arabermix Kiasso. Vize-Jugendmeisterin wurde 14 min dahinter Nicole Gust (Teltow) mit ihrem 13jährigen Traber Honestly Diamant vor Lena Engel (Potsdam) mit Catalano ox. Die inzwischen dem Jugendlager entwachsene Alexandra Lege als Sachsen-Anhalt meisterte als einzige Seniorin mit ihrem Warmblüter Baldo den LDR über 93 km ebenfalls erfolgreich in der Wertung. Großes Pech hatte die Ex-Jugendmeisterin Maria Lippert (Wustermark), die sogar knapp vor der späteren Vizemeisterin Nicole Gust über die Ziellinie gekommen war. Doch auch für ihren Al Mashhar Azim gaben die Tierärzte in der Nachuntersuchung dann leider kein grünes Licht.

Erfolgreiche Mütter und starke Töchtern prägten auch diesmal den Charakter des Sports. Wir erinnern uns an Andrea Herlt und Stella Naumann (geborene Herlt), die 2013 und 2014 gemeinsam, mit- und gegeneinander bei zwei Landesmeisterschaften antraten (wobei jeweils Andrea Herlt die Nase vorn hatte und den Titel gewann). In diesem Jahr ritt Sina-Louise Matzdorf mit Kiasso – dessen kunterbuntes Pedigree von Araber über Warmblut bis Haflinger alles zu bieten hat – das Pferd, mit dem bereits ihre Mutter im Jahre 2006 Landesmeisterin und im Jahr darauf Vizemeisterin geworden war. Mit Haara, der selbst gezogenen Partbred-Araberstute der diesjährigen Landesmeisterin Alexandra Hanssen, hatte sich eigentlich auch Tochter Maria für die Landes-Jugendmeisterschaft qualifiziert. Ihre Teilnahme scheiterte jedoch am Mindestalter für die Startberechtigung. Da es hierfür keine Bestimmung im VDD-Reglement gibt, lag die Festlegung der Altersgrenze im Ermessen des Veranstalters. Sicherheitsbedenken sind natürlich immer nachvollziehbar. Aber sollte nicht dennoch im Sinne der Jugendförderung entschieden werden? Wie können Jugendliche im Alter von 14 Jahren „plötzlich“ auf internationalem Parkett bestehen und sich später gegen gleichaltrige Konkurrenz behaupten, wenn sie keine Chance erhalten, sich zuvor auf nationaler Ebene, bei regionalen Meisterschaften entsprechend auszuprobieren und sportliches Know-How zu erlernen?

Positiv zu vermerken war generell, dass der Wettbewerb in diesem Jahr regen Zuspruch bei den Jugendlichen gefunden hatte. Von neun genannten Pferden gingen acht Teilnehmer an den Start.

Gut ausgebuchte mittlere und kurze Wettbewerbe sowie ein Einführungsritt und Distanzfahrten komplettierten das Rahmenprogramm dieser Meisterschaften, die auf dem Gutshof Zernikow ein repräsentatives Ambiente gefunden hatten.

Miriam Lewin